Politik (1996–2001)

Mein politisches Leben von 1996 bis 2001

  • 1996 Eintritt bei Bündnis 90/Die Grünen
  • Januar 1997 Gründung der Grün - Alternativen Jugend Kreis Calw und bis Sommer 1998 deren Vorstandssprecher
  • April 1997 Wahl in den Kreisvorstand von Bündnis90/Die Grünen Kreis Calw
  • August 1997 bis Oktober 1998 Referent für ökologisches Wirtschaften und nachhaltige Entwicklung beim GAJ-Landesvorstand
  • Dezember 1997 Nominierung zum Bundestagskandidat im Wahlkreis Calw/Freudenstadt
  • März 1998 Wahl auf Platz 16 der grünen Landesliste in Baden - Württemberg
  • bis September 1998 Wahlkampf als jüngster Direktkandidat in Baden - Württemberg
  • Oktober 1998 bis November 1999 Beisitzer im Landesvorstand der Grün - Alternativen Jugend Baden - Württemberg
  • April 1999 bis Januar 2000 Pressesprecher und stellvertretender Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Calw
  • Januar 2000 Wechsel in den grünen Kreisverband Stuttgart
  • Sommer 2000 inhaltliche Konzeption des Landtagswahlkampfes für Henrik Becker im Wahlkreis Ettlingen
  • Sommer 2001 Parteiaustritt

Ergebnis der Bundestagswahl 1998 im Wahlkreis Calw/Freudenstadt

Detaillierte Ergebnisse gibt’s beim Bundeswahlleiter.

Vier Zeitungsartikel über meine Bundestagskandidatur

26. August, 1998
Respekt
“Randbemerkung” von Marek Klimanski
Eine realistische Chance zum Einzug in den Bundestag hat der junge Kandidat der Grünen kaum;bei seinem Landeslistenplatz müßten die Grünen im Lande rund 18 Prozent erzielen. Und Fuchtels Direktmandat ist für Schultz ebenfalls illusorisch.
Dennoch belebt der Grüne den Wahlkampf im Kreis. Um es deutlicher zu sagen: In den zuruckliegenden Wochen war es Schultz, der dem übermächtigen Mandatsträger der Union Paroli bot, der auf Podiumsdiskussionen, bei bis zu vier Terminen täglich und mit seiner Pressearbeit inhaltlich und mit Detailkenntnis dagegenzuhalten versuchte - und dabei durchaus Punkte verbuchen konnte. Es erinnert an den größeren Teil der zu Ende gehenden Legislaturperiode in Bonn, als Joschka Fischer aus der Schwäche der SPD Kapital schlug und sich zum Oppositionsführer aufschwang. Im Kreis Calw bekommt man es von Christdemokraten unter der Hand geflüstert: Sie haben höchsten Respekt vor dem Youngster. Und unabhängig von der Wahlentscheidung: Das hat Schultz sich auch verdient.

August 1998
“Gerechtigkeit geht nicht sofort”
Grüner Polityoungster geht zu seinem Bundesvorstand auch auf Distanz
“Ich kämpfe nicht für fünf Mark Sprit, sondern für eine ökologische Wirtschaftspolitik.” Patrick Schultz, Bundestagskandidat für Bündnis90/Die Grünen im Wahlkreis Calw, gibt sich selbstbewußt. Da rückt der 20jährige Zivildienstleistende schon mal Aktionen seines Bundesvorstands zurecht. Ziel und Weg würden in Bonn manchmal verwechselt, sagt der Unterlengenhardter. “Doch wenn mir die Partei zu 100 Prozent gefiele, bräuchte ich nicht dabei zu sein. Dann könnten die das alleine besser”, erklärt er.
Der Youngster hat eigene Vorstellungen und die vertritt er mit Nachdruck. Von kleinen Schritten ist die Rede und von der Realität. “Abstrakte Ziele wie etwa Gerechtigkeit kann man nicht von heute auf morgen verwirklichen”, sagt er. Die grüne Wirtschafts- und Steuerpolitik hält er dabei für das geeignete Mittel, Rahmenbedingungen zu schaffen. “Die Einnahmen aus der Einkommensteuer brechen derzeit weg, die Lohnsteuer soll das richten”, analysiert er. Er plädiert für eine Entlastung mittlerer und unterer Einkommen; einfacher solle das Steuerrecht zudem werden. (…) Wichtig ist ihm auch die Feststellung, die sogenannte Öko-Steuer bedeute nicht zusätzliche, sondern andere Staatseinnahmen. “Arbeit muß billiger werden, Naturverbrauch teurer”, faßt er zusammen, “wenn eine Steuer, dann eine mit Lenkungscharakter.”
Patrick Schultz sieht für sich keine Chance auf ein Direktmandat. Der Jungpolitiker, der auf der Landesliste an sechzehnter Stelle geführt wird, sieht sich nicht ganz ohne Chance. “Für einen Newcomer ist das ein guter Platz”, sagt er. (…)
Schultz will mithelfen, das Tourismus- und Erholungsgebiet Nordschwarzwald attraktiver zu machen. “Wir müssen dringend den Nahverkehr ausbauen”, erklärt er. Die Region lebe von der Natur, dann könne es nicht sein, daß so viele LKWs durch Bad Liebenzell donnern wie derzeit. Für den Wahlkampf hat sich der Zivi Urlaub aufgespart. “Daß soviel Arbeit anfällt, hätte ich nicht gedacht”, sagt er. Nach eigenen Angaben ist er kein PolitikWorkaholic. Trotzdem sitzt er derzeit nach seinem Dienst noch ein bis zwei Stunden am Schreibtisch. “Der September wird noch richtig heftig”, sagt er. Aber schließlich wolle er grüne Politik durchsetzen.

04. September, 1998
Visionär und Realist
Er ist kein Mensch, der seine Zukunft anderen überlassen will. Sein Verständnis von Politik ist eine Mischung aus Vision und Realität. Patrick Schultz ist 20 Jahre alt und Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Calw/Freudenstadt.
Patrick Schultz ist seit 12 Stunden auf den Beinen. Seine Arbeit bei der gemeinnützigen Werkstatt für psychisch Kranke in Calw-Stammheim beginnt um 7 Uhr. Nach Arbeitsschluß rein ins Auto, Stau in Calw und Nagold, Ankunft in Horb. Von Müdigkeit keine Spur. Seit sich Patrick Schultz als Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkampf befindet, ist er es gewohnt, seine Abende und Wochenenden mit dem Beantworten von Fragen zu verbringen.
Patrick Schultz bezeichnet sich als “von Natur aus selbstbewußt” und ist es auch. Wie anders ließe sich eine solche kleine Politkarriere begründen. Januar 1996: Eintritt in die Partei. Januar 1997 Gründung der Grün - Alternativen Jugend im Kreis Calw, heute 25 Mitglieder. April 1997: Wahl in den grünen Kreisvorstand. Dezember 1997 Nominierung zum Bundestagskandidat, seit Februar auf Platz 16 der Landesliste.
Geplant war diese Entwicklung nie, sagt er. Mit dem Parteieintritt wollte er eigentlich nur selbst etwas tun, statt immer nur zu meckern. Als er dann auf eine Kandidatur für den Bundestag angesprochen wurde, war er zwar überrascht, Selbstzweifel “alten Hasen” wie Hans-Joachim Fuchtel gegenübertreten zu können, haben ihn allerdings nie gequält (”Es hätte nur geschadet, wenn ich mir ständig Gedanken gemacht hätte”). Außerdem ärgert ihn viel zu sehr, wie wenig sich junge Menschen einmischen, zumal die momentane Politik nach dem Prinzip “Nach uns die Sintflut” betrieben werde. Bereut hat er seinen Entschluß bisher nicht, obgleich ihn die zahlreichen Termine fast schon überrollt haben. “Mir macht es noch Spaß”, sagt er. Sympathien sammelt er vor allem auf Podiumsdiskussionen. Keine Schuldzuweisungen sondern Inhalte vermitteln, das will er. Anscheinend zeigen sich sich in erster Linie ältere Menschen überrascht von diesem jungen Mann in Hemd und Sakko, der ruhig seine Position vertritt und gleichzeitig ein Grüner sein soll. (…)
Vielleicht liegt es aber auch daran, daß das Parteimitglied Schultz vor Kritik an den Bundesgenossen nicht zurückschreckt. Er nimmt sich die Freiheit, anderer Meinung zu sein, den Bosnien-Einsatz als “dringend nötig” und das Thema “5 Mark pro Liter” als “allergrößtes Fettnäppfchen” zu bezeichnen (”Ich glaube nicht, daß sich die Grünen anmaßen können, Zehn-Jahres-Pläne aufzustellen”). Patrick Schultz sieht in der ökologischen Steuerreform “den einzigen Weg” und auch mit der Forderung sämtliche Steuerschlupflöcher zu stopfen, steht er nicht alleine da. Kurz gesagt heißt sein Verständnis von Politik: Es ist wichtig, seinen Zielen treu zu bleiben, die Wege muß man allerdings an der Realität orientieren. (…)

09. September, 1998
Eßtisch als Rhetorik-Schule
Hier muß man ja zum Grünen werden. Schon die Adresse scheint bei Patrick Schultz Programm zu sein. “In den Gärten” im Bad Liebenzeller Teilort Unterlengenhardt ist der 20jährige Bundestagskandidat aus dem Wahlkreis Calw/ Freudenstadt zu Hause: Der erste Eindruck der Anschrift vertieft sich nachhaltig, marschiert der Besucher durch einen dichten Bogen von Rankgewächsen auf die Eingangstür des elterlichen Holzhauses zu, an der geklopft wird und nicht geklingelt.
Mit einer gewissen Doppeldeutigkeit kann man sicher behaupten, Patrick Schultz sei grün hinter den Ohren. Was die politische Überzeugung angeht, bleibt die These sicher unwidersprochen. Doch wie steht es um die politische Standfestigkeit eines jungen Mannes, der nach dem Abitur jetzt seinen Zivildienst ableistet und anschließend ein Studium der Umweltschutztechnik plant? Geschult aus zahllosen kontroversen Diskussionen mit den Eltern am Kommunikationszentrum der Familie, dem Eßtisch im Wohnzimmer, ist Schultz offensichtlich gewohnt, zu argumentieren. Außerdem hat er die Argumentationsfolgen seiner eigenen politischen Auffassung wie aus der Pistole geschossen parat. Ist Schultz erst einmal in seinem Element, vergißt man schnell, einem Neuling im politischen Geschäft gegenüberzusitzen. Und trotz seiner noch recht jugendlichen Ausstrahlung ziert sich der 20jährige nicht, auch den alten Hasen in diesem Geschäft die Stirn zu bieten. Leserbriefe in der Lokalpresse reden da eine beredte Sprache.
Sein missionarischer Drang sei nicht übermäßig ausgeprägt, sagt Schultz im Hinblick auf seine Altersgenossen, die sich oft für Politik nicht die Bohne interessieren, wohl auch aus einer gewissen Hoffnungslosigkeit heraus, selbst nicht viel ändern zu können. Genau aus dieser Argumentation rührt indessen Schultz Antrieb, in großer Politik zu machen: “Ich will zeigen, daß auch junge Leute etwas bewegen können”.
Hat er sich da mit Bündnis 9O/Die Grünen überhaupt die richtige Partei ausgesucht? Kann man sich dort als junger Mensch profilieren, wo sich so manches Mitglied gerne betont jugend-interessiert gibt? Und ist man als Newcomer ausgerechnet da gut aufgehoben, wo in diesem Wahlkampf die unpopulärsten Schlagzeilen produziert wurden?
Es ist so ein bißchen Wie mit der Henne und dem Ei und der Frage, wer von beiden denn nun zuerst da war. Tatsache ist, daß Patrick Schultz schon am Calwer Hermann-Hesse-Gymnasium ein Müll-Konzept für die Schuleentwickelte, daß nicht nur half, die Restmüllmenge zu reduzieren, sondern auch dazu beitrug, die Entsorgungskosten um einen vierstelligen Betrag im Jahr zu senken. Nachhaltigkeit sei ihm wichtig, und damit ist es ja nur noch ein kleiner Schritt zu seinem heutigen Lieblingsthema, dem ökologischen Wirtschaften.
(…) Bei der Fünf-Mark-Sprit-Debatte hätten die Grünen wie bei einigen anderen Themen in jüngster Zeit politisches Ziel und Politisches Mittel nicht auseinandergehalten. Das schlage wiederum auf das Ergebnis vor Ort durch und nervt einen engagierten Wahlkämpfer. “Schließlich will ich das Direktmandat gewinnen”, sagt Schultz und grinst, wie ein 20jähriger eben grinst, wenn er ganz dicke Bretter bohrt.
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